19. Januar 2011, 20:41 / Jeden Tag

Die Kunst des guten Fotos



Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr möglich ist, schlechte Fotos von der eigenen Person einfach verschwinden zu lassen. Stattdessen landen diese Bilder im Netz und wandern dann kreuz und quer durch alle möglichen sozialen Online-Plattformen – für die ganze Welt auf immer und ewig zu sehen. Das Letzte, was man in diesem Monat auf der eigenen Wall sehen möchte, sind Schnappschüsse von der Bürofeier, auf denen man den betrunkenen Deppen gibt.
Models und Schauspielerinnen wissen, wie man sich auf Fotos gut zur Geltung bringt. Aber wir Laien legen lieber alles daran, eitel, betrunken, transusig oder moppeliger als in Wirklichkeit auszusehen. Oder gar eine schreckliche Kombination all dieser Merkmale zur Schau zu stellen.
Hier ist unsere Liste von Tipps, wie man gute Fotos machen kann. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Gespräche mit und Infos von Fotografen, Models und den  Herausgebern von Modezeitschriften:
1. Italienisch lernen: An erster Stelle sollte man das Wort Contrapposto (Kontrapost) lernen. Es wird definiert als eine Stellung, bei der der größte Teil des Körpergewichts auf einem Bein ruht, sodass Schultern und Arme aus der Achse mit Hüften und Beinen treten. Das lässt einen sofort schlanker erscheinen.
2. Bewaffnet und gefährlich: Wenn man die Arme gegen den Körper drückt, erscheinen sie doppelt so groß. Die Schultern nach hinten weg von den Ohren nehmen, sodass ein Spalt (oder mehr) Luft zwischen Körper und Armen ist. Auch die Hand auf der Hüfte lässt die Arme richtig viel dünner erscheinen.
3. Kinn: Das Kinn leicht nach unten neigen (etwas über 1 cm), aber dabei nicht den Kopf wie eine Schildkröte einziehen. Nach unten neigen und das Kinn nach vorn vom Körper weg strecken, damit man kein Doppelkinn hat und das Gesicht schmaler aussieht.
4. Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Jeder, der nicht wie Denzel Washington die perfekte Symmetrie vorzuweisen hat, hat eine gute und eine schlechte Seite. Findet heraus, welche die (gute) Jekyll- und welche die (schlechte) Hyde-Seite ist, und zwar so: Das Gesicht vor dem Spiegel einmal in die eine, dann in die andere Richtung drehen und dabei lächeln. Wenn man den Unterschied selbst nicht sehen kann, macht ein Foto von jeder Seite und fragt jemanden, dem ihr vertraut, nach der Meinung.
5. Der rechte Winkel: Wer immer gerade fotografiert, sollte die Kamera auf eure Augenhöhe oder auf die Augenhöhe der größten Person in eurer Gruppe halten. Tiefer gehaltene Kameras führen nur zu Doppelkinnen und wenig schmeichelhaften Erfahrungen für alle Beteiligten.
6. Beleuchtung und Kamera: Hartes Licht wirft harte Schatten. Das gilt besonders für Licht von oben. Besser ist weiches, diffuses Licht. Natürlich hat man das Licht nicht immer unter Kontrolle. Aber wenn man wählen kann, sollte man sich für die weichste Beleuchtung, die möglich ist, entscheiden.


7. Augen weit aufgerissen:
In einem kostenlosen Ratgeber zum Thema Stil (kann eventuell vor Jahren in You Mag gewesen sein) habe ich einen Tipp von einem Model gelesen. Sie gab den Rat, vorm Fotografieren zu blinzeln und die Augen weit zu öffnen, damit diese auf dem Foto hübsch und offen (aber nicht erschrocken) erscheinen. Ein besserer Tipp, als zu versuchen nicht zu blinzeln.
8. Gold im Mund: und noch ein weiterer Tipp vom selben Model: Wenn man ein Geldstück sanft zwischen den Lippen hält, ergibt das einen natürlichen Schmollmund. Natürlich wollen die meisten für ein Foto kein Geld in den Mund nehmen. Stellt es euch stattdessen einfach vor. Funktioniert tatsächlich. Aber nicht übertreiben, denn sonst …
9. Die gefürchtete ENTENSCHNUTE: das Schlimmste, was einem überhaupt je auf Fotos passieren kann. Bei den Profilen in Facebook wimmelt es von Frauen, die sich selbst mit „Duckface“ ablichten und diese Bilder ins Netz stellen. Das ist störend und hässlich. Also bitte keine Schnute ziehen. Denn statt sexy sieht man damit einfach nur blöd aus.
10. Stepford-Lächeln: Ich habe viele Freundinnen, die auf wirklich jedem Foto mit dem gleichen Lächeln posieren. Besonders in Amerika. Sie haben alle ein künstliches, breites Lächeln mit leeren Augen. Wie unecht. Seid einfach natürlich! Denkt an etwas, das euch zum Lachen bringt oder wirklich glücklich macht.
11. Teamwork: Im Zeitalter der mit Botox behandelten, eingefrorenen Celebrities scheinen Augen und Brauen auf Fotos nicht mehr so wichtig zu sein. Viele Frauen sieht man auf Fotos weder lächeln noch lachen oder mit den Augen flirten. Hört auf, mit leeren Augen in die Kamera zu blicken und bringt das ganze Gesicht in Einklang.
12. Lächeln oder nicht: ganz so, wie einem zumute ist: Im Gegensatz zu vielen (auch hier wieder amerikanischen) Experten bin ich nicht der Meinung, dass man für ein gutes Foto lächeln muss. Wir müssen nicht alle wie die Idioten grinsen. Ein Lächeln ist wunderschön, wenn es echt ist. Das gilt auch für Lachen. Aber man kann auch ohne genauso gut aussehen. Auf jeden Fall das Grinsen vermeiden. Ich kannte mal eine Frau, die nur für Fotos lächelte (im Glauben, so geheimnisvoll und sexy zu wirken). Und sie sah dabei immer eher wie eine frustrierte alte Jungfer als wie eine sinnliche Femme fatale aus.


13. Schweigen ist Gold:
Quatscht nicht, wenn ihr fotografiert werdet. Denn egal, wem ihr gerade was mitzuteilen habt… genau in dem Moment wird geknipst. Niemand wird gern mitten im Satz erwischt. Mund halten.
14. Nicht den Clown geben: Vermeidet Schminkkatastrophen. Also kein taufeuchtes Make-up auftragen (ist auf Fotos gleichzusetzen mit fettiger Haut). Tragt vorsichtig Puder unter den Augen, auf Stirn, Wangen und Kinn auf. In Ermangelung von Puder einfach Toilettenpapier auf die zu sehr glänzenden Stellen drücken. Übertreibt es nicht mit den Highlightern im Gesicht (die sehen auf Fotos heller und ihr damit wie die Pandas aus). Fahrt mit der Zunge über die Zähne, damit die Lippen nicht zusammenkleben. Beißt euch sanft auf die Lippen (oder reibt sie), damit sie durchblutet und damit sofort voller aussehen. Das Haar liegt nicht mehr richtig? Einfach kurz mit den Händen durchgehen bringt Volumen und Bewegung.


15. Übung macht den Meister:
Steht nicht dauernd vor dem Spiegel wie ein moderner Narziss. Aber ab und zu solltet ihr davor mal Gesichter schneiden üben. So lernt ihr, wie man ordentlich für ein Foto posiert, den Kopf neigt, die Hüften dreht, Gewicht verlagert usw.
xx Jess @ beautywoome.com

12 Kommentare

  • sunflower SAYS:

    Toller Beitrag!
    Die vielen Tipps sind super und retten uns hoffentlich in der Zukunft vor schlechten Fotos ;-)

    LG

    20. Januar 2011 um 12:30

  • nici SAYS:

    Ich kann mich SUNFLOWER nur anschließen, es ist wirklich ein Toller Beitrag! Ich fange gerade mit dem fotografieren an und deine Tipps sind einfach super. Jetzt habe ich wieder was dazu gelernt!!!!
    LG

    22. Januar 2011 um 17:55

  • Ly Pham SAYS:

    Toller Beitrag, so bringt man Dynamik in jedes Foto!

    24. Januar 2011 um 09:06

  • Michael SAYS:

    Super! Wirklich hilfreiche Tipps und ich freu mich schon auf unser nächstes Shooting!
    LG

    24. Januar 2011 um 10:22

  • Franzi SAYS:

    Toller Beitrag mit tollen Tipps von denen ich ein paar noch gar nicht kannte :)

    24. Januar 2011 um 19:47

  • Dita SAYS:

    Wieder einmal ein gelungener Beitrag! Ich bin gespannt, wie meine Bilder in Zukunft werden, nachdem ich diese Tipps beherzige ;-) .

    LG

    25. Januar 2011 um 16:25

  • Carsten SAYS:

    Super Artikel! Den muss man ausdrucken und gut sichtbar aufhängen, damit man beim nächsten Foto wenigstens noch ein paar Sachen im Kopf hat ;-)

    27. Januar 2011 um 16:10

  • Beautywoome SAYS:

    Sunflower, Danke. Ich lernte diese Tipps nach Jahren der Einnahme schlecht Fotos! Nici, dasselbe. Ly, Es ist erstaunlich, wie einfach es ist, dass du nicht fotogen, nur weil Sie nicht wissen, wie um zu fotografieren handelt. Es erfordert einige Übung und Technik! Deshalb Modelle so gut es sind – sie tun es den ganzen Tag, jeden Tag. Franzi und Dita, ich wette, deine Bilder werden besser mit diesen Tipps! Ich weiß, meine sind… Michael, genießen Schießen! Carsten, Das wäre super hilfreich! Ich brauche, um das Gleiche zu tun, weil ich vergessen sie oft auch!

    27. Januar 2011 um 20:29

  • FashionGeorge SAYS:

    Fotokunst wird leider nicht in dem Maße anerkannt – wobei es doch die Essenz der Bildkunst in der Gegenwart darstellt. Ein toller Beitrag und eine tolle informative Seite – werde ich weiterempfehlen. Viele Grüße aus Köln

    28. Januar 2011 um 10:32

  • Eva SAYS:

    Lustig, dass ihr zu so einem schönen Artikel, in dem ihr beschreibt, wie man möglich natürlich hübsch wirkt ein Mädchen zeigt, welches sehr offensichtlich Contaktlinsen trägt, die die Augen größer wirken lassen.

    4. Februar 2011 um 22:00

  • beautywoome SAYS:

    Es ist schwer zu finden, gute Bilder mit einer Creative Commons Lizenz online. Wenn Sie irgendwelche auf der Hand, dass wir benutzen können, zögern Sie nicht, sie zu senden!

    6. Februar 2011 um 17:17

  • Anne SAYS:

    Toller Blog, Super Tipps
    DANKE <3

    3. März 2011 um 15:51

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